27.3., 19.30 Uhr: Rolf Dieter Brinkmann & Jürgen Ploog – Wider die Tyrannei der Wörter!

Freitag, 27. März, 19.30 Uhr
Rolf Dieter Brinkmann & Jürgen Ploog – Wider die Tyrannei der Wörter!
Podiumsdiskussion mit Frank Witzel, Johannes Ullmaier und Wolfgang Rüger
Moderation: Sigrid Fahrer

Im gerade erschienenen Schreibheft Nr. 106 stehen die beiden führenden Undergroundprotagonisten Rolf Dieter Brinkmann und Jürgen Ploog erstmals gleichberechtigt nebeneinander. Schreibheft-Herausgeber Norbert Wehr hat auch dieses Mal für jedes Dossier einen kompetenten Schreiber gefunden, der die vorgestellten Autoren einführt: bei Brinkmann besorgt das der Schriftsteller Frank Witzel, bei Ploog der Literaturwissenschaftler Johannes Ullmaier. Flankiert werden die bisher unveröffentlichten Texte von weitgehend unbekannten Fotos beider Autoren. Der Nachlaß von Rolf Dieter Brinkmann wurde in den letzten Jahrzehnten von seiner Witwe nur häppchenweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Umso sensationeller ist es jetzt, daß das Schreibheft eine ganze Reihe unveröffentlichter Texte (Prosa, ein dramatisches Stück, eine Erzählung, ein Romankapitel und Rundfunkessays) vorstellen kann, die der Brinkmann-Rezeption neuen Auftrieb verleihen werden.
Ebenfalls aus dem Nachlaß präsentiert das Schreibheft Auszüge aus Jürgen Ploogs vollkommen unbekannten Tagebüchern, in denen er sich über andere Autoren äußert. Selbst für Ploog-Insider dürften diese Statements neue Erkenntnisse bringen. Unter den ca 230 vorkommenden Namen reicht die Bandbreite von Adorno, Borges, Goethe, Kästner, Kafka, Thomas Mann, Nabokov, Pessoa, Sahl, Sebald, Twain bis Christa Wolf, um nur ein paar zu nennen, die man am wenigsten erwarten würde.
Die beiden Dossiers dokumentieren die frappierende Ähnlichkeit des literarischen Wegs, den Brinkmann und Ploog unabhängig voneinander gegangen sind. Beide waren in ihren Anfängen stark von Burroughs‘ Naked Lunch, vom Nouveau Roman und Gottfried Benn beeinflusst; beide rebellierten entschieden gegen das Elternhaus; beide haben diverse Zeitschriftenprojekte initiiert; beide haben mit visuellen Elementen in ihren Texten gearbeitet; beide haben den etablierten Literaturbetrieb abgelehnt; beide waren auf der Suche nach einer Literatur abseits des Konventionellen; beide rieben sich extrem an den gesellschaftlichen Zuständen in der BRD; beide blickten von Ost nach West; beide haben sich der Schnitttechnik verschrieben; beide begeisterten sich für (amerikanische) Gangsterfilme/-mythen; beide arbeiteten und experimentierten multimedial; beide schrieben wider die Tyrannei der Wörter. Vollkommen unverständlich ist, warum diese beiden fast Gleichaltrigen und Seelenverwandten keinen persönlichen Kontakt hatten. In der Podiumsdiskussion soll es um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Avantgardisten gehen. Nach der Podiumsdiskussion wird es Gelegenheit zum Gespräch mit eingeladenen Undergroundveteranen (Ralf-Rainer Rygulla, Walter Hartmann, Pociao) und Literaturexperten (Norbert Wehr, Roberto Di Bella) geben.

Ort: Uni-Archiv, Dantestraße 9, Frankfurt/Main
Eintritt frei (Anmeldung erbeten unter: uniarchiv@uni-frankfurt.de)
 

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