Mittwoch, 11. März 2026, 19:30 Uhr, Arkadensaal, Großer Hirschgraben 23-25
Lied & Lyrik: Robert Schumann und die Geister der Romantik
Konzert mit Konstantin Zvyagin, Klavier und Ulrike Kienzle, Moderation und Rezitation
Das Thema des Übernatürlichen, Unheimlichen und Bedrohlichen prägt die romantische Literatur – und kaum ein Komponist hat es so tief verinnerlicht wie Robert Schumann. Seine empfindsame, fragile Persönlichkeit machte ihn empfänglich für die Welt zwischen Realität und Fantasie. Wie viele seiner frühen Klavierwerke verweist auch der Titel ‚Nachtstücke‘ auf literarische Vorbilder, hier E.T.A. Hoffmann, ohne den Inhalt direkt aufzugreifen. Doch die Musik ist eng mit dem Tod verbunden: Schumann sprach von einer „Leichenphantasie“, plante Überschriften wie „Trauerzug“ oder „Nächtliches Gelage“.
Im Zentrum des Konzerts steht das dramatische Gedicht ‚Manfred‘, George Gordon Byrons radikale Absage an gesellschaftliche Konventionen. Der Held ruft Geister, um die verlorene Göttin Astarte wiederzufinden. Schlaf und Tod verweigern ihm Erlösung, auch dem Dämon Ariman beugt er sich nicht. Erst eine letzte Begegnung mit Astarte bringt Frieden. Konstantin Zvyagin hat die schönsten Momente der Musik zu ‚Manfred‘ in einer virtuosen Konzertfassung für Klavier verdichtet. Neben ‚Manfred‘ und den ‚Nachtstücken‘ erklingen auch die ‚Geistervariationen‘, Schumanns letztes Werk, entstanden aus Stimmen, die er in seinen letzten Tagen zu hören glaubte. Durch den Abend führt Ulrike Kienzle, die zudem ausgewählte Passagen rezitieren wird.
Der Pianist Konstantin Zvyagin lehrt an der Akademie für Tonkunst Darmstadt und tritt international als Solist sowie als Mitglied des Trios SpiegelBild auf. Konzertreisen führten ihn u. a. nach Irland, Polen, Deutschland, Schweden, in die USA, nach Frankreich, Italien, Spanien, Israel und Russland. 2023 wurde er für seine Klavier-Transkriptionen aus Wagners ‚Ring des Nibelungen‘ unter dem Titel ‚Wagners Ring. Eine Suite in acht Bildern‘ von der Richard-Wagner-Stipendiatenstiftung ausgezeichnet.
Dr. Ulrike Kienzle ist Musik- und Literaturwissenschaftlerin. Unter ihren zahlreichen Veröffentlichungen finden sich Bücher, Aufsätze und Vorträge über Richard Wagner, Franz Schreker, Robert Schumann und Giuseppe Sinopoli sowie über die Musikästhetik von der Goethezeit bis zur Gegenwart. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die Musik der Romantik und das Musikleben der Stadt Frankfurt. Für das Deutsche Romantik Museum kuratierte sie die Musikstationen und die Musikspur. In der Alten Oper leitet sie die Seminarreihe ‚Kienzles Klassik. Musikseminare für Wissbegierige’. Darüber hinaus ist sie als Vortragende in Frankfurt sowie auf internationalen Symposien präsent.
Ort: Freies Deutsches Hochstift
Eintritt: 16,- / 8,-