Mittwoch, 11. Februar, 19.30 Uhr
Frankfurter Bürgersalon: „Mein Wille zur Kunst ist keine leicht eitle Tändelei, sondern ein Muss“
Werke und Briefe des Schriftstellers und Bibliothekars Ludwig Greve, vorgetragen von Hanns Zischler, dem schreibenden Schauspieler
Mit Gästen aus Ludwig Greves Familie
Auswahl der Texte, Einführung und Moderation: Ruthard Stäblein
„Stimmigkeit“ nicht Originalität suchte der Dichter Ludwig Greve, indem er seine Gedichte zumeist in traditionelle Formen wie Sonette oder Oden fasste und neumodische Formeln vermied. Ein Gedicht sollte in sich geschlossen, eben stimmig sein, und sich nicht mit anderen vergleichen, worauf Originalität ja abhebt. Und doch dichtete Ludwig Greve anders als viele seiner Zeitgenossen, war also auf seine Weise originell. Und das hängt mit seiner Biographie zusammen, wie er in seiner Freiburger Rede vor Studenten „Warum schreibe ich anders?“ betonte. „Wie ein Flüchtling, der nach und nach seine Habe wegwirft, suchte ich das Verworfene Stück für Stück zusammen. … Das Gedicht an dem ich schrieb, war sowas wie mein Boden, mehr hatte ich nicht. … Andere suchten Halt in einer Gruppe oder Überzeugung, ich fand ihn in der alten, immer neu zu gewinnenden Form der Ode.“
Ludwig Greve wurde 1924 als Sohn eines Textilkaufmanns und einer Kindergärtnerin in Berlin geboren, eine assimilierte, jüdische Familie. Er besuchte die staatliche Volksschule und ab 1934 bis zur Zwangsschließung 1939 die Private Jüdische Waldschule Grunewald. 1938 wurde sein Vater verhaftet und kam für einige Wochen in ein KZ. Die Familie versuchte 1939 zu emigrieren. Ihr Schiff , die „St. Louis“ mit ca. 1.000jüdischen Flüchtlingen, wurde vor Kuba zurückgewiesen. Die Familie musste nach Europa zurückkehren. Ludwig konnte in einem französischen Kinderheim unterkommen, wie u.a. auch Saul Friedländer. Nachdem er knapp einer Razzia entgangen war, schloss er sich mit 20 Jahren der französischen Résistance an, leitete Transporte verfolgter Jugendlicher, versuchte die Flucht seiner Eltern und seiner jüngeren Schwester zu organisieren. Diese misslang jedoch um Haaresbreite. Zumindest seine Mutter konnte er retten. Mit ihr wanderte er 1945 nach Palästina aus. 1950 kehrte er nach Deutschland zurück, lernte seine Frau, die an der Odenwaldschule Kunst unterrichtete, kennen undwurde in die Künstlergemeinde um HAP Grieshaber im Kloster Bernstein, zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb gelegen, aufgenommen Schließlich wurde er Bibliothekar in Marbach/N., wo er 1968 Leiter der Bibliothek des „Deutschen Literaturarchivs“ wurde und international wegweisende Ausstellungen über den Deutschen Expressionismus, die Wiener Literatur um 1900, das 20. Jahrhundert sowie Gottfried Benn kuratierte. In seiner freien Zeit schrieb er Gedichte und seine Lebenserinnerungen. 1991 ertrank Ludwig Greve bei einem Schwächeanfall im Meer vor Amrum.
Aus seinen Gedichten, Briefen und aus seinen autobiographischen Geschichten, in denen er sich selbst „zur Figur“ machte, wird der Schriftsteller, Essayist, Schauspieler Hanns Zischler lesen, der mit dem Leben und Werk von Ludwig Greve schon lange vertraut ist.
Ort: Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen und Livestream
Eintritt frei