
Die Kulturdezernentin
Dr. Ina Hartwig
PRESSEINFORMATION
15.01.2025
Kinder- und Jugendtheaterpreis Karfunkel geht 2026 an KORTMANN&KONSORTEN
Der mit 10.000 Euro dotierte städtische Kinder- und Jugendtheaterpreis Karfunkel geht 2026 an die Produktion „STIMMEN – Anne, Sophie, Melita“ in der Regie von Sarah Kortmann von KORTMANN&KONSORTEN.
Im Zentrum der Inszenierung stehen die Zeugnisse und Stimmen dreier junger Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus; dreier Frauen zwischen Anpassung, Widerstand und Verfolgung: Die Widerstandskämpferinnen Sophie Scholl und Anne Frank und die Mitläuferin Melita Maschmann, seit 1933 Mitglied des BDM. Auf der einen Seite steht der autobiographische Rechtfertigungsversuch Melita Maschmanns, ihr Buch „Fazit“ aus den 1960er Jahren, auf der anderen Seite Anne Franks Tagebucheinträge, Verhörprotokolle und die Flugblätter der Weißen Rose: „Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen.“
Die Frankfurter Kulturdezernentin und Vorsitzende der Jury Ina Hartwig beglückwünscht die Preisträgerinnen und Preisträger und hält fest: „In der Gegenüberstellung von Mitläufertum und Widerstand zeigt die Inszenierung der diesjährigen Preisträger KORTMANN&KONSORTEN auf herausragende Weise die Möglichkeiten des Engagements und die Konsequenzen des Verlustes von Demokratie. Zeitzeugen sterben, ihre Stimmen aber leben. Sie können und müssen uns erzählen, wie aus der verheißungsvollen Weimarer Republik der Nationalsozialismus entstand und welche Verantwortung wir heute für unsere Gesellschaft übernehmen können. Dafür öffnet ´STIMMEN – Anne, Sophie, Melita´ nicht nur jungen Menschen die Augen.“
Unter dem Vorsitz Ina Hartwigs zeigte sich die diesjährige Jury mit Sara Gröning (Starke Stücke Festival), Johanna Kiesel (Kulturamt Eschborn), Eva-Maria Magel (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Valerie Eichmann (Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland) besonders beeindruckt davon, dass „das Team um die Regisseurin Sarah Kortmann sich der Vergangenheit widmet und dabei die elementare und eindringliche Analyse der Gegenwart liefert, die in Zeiten politischer Krisen gar nicht oft genug aufgeführt werden kann“- so die Begründung der Jury. Das Ensemble treffe dabei stets den richtigen Ton und liefere eine Arbeit ab, „welche nie den Respekt vor ihren Figuren verliert und gleichzeitig genau dort den Finger in die Wunde legt, wo es wehtun soll.“
Sonderpreis für Barbara Englert vom Förderkreis Frankfurt e.V.
Ein Sonderpreis in Höhe von 5.000 Euro wird der Frankfurter Autorin und Regisseurin Barbara Englert vom Förderkreis Frankfurt e.V. für die Produktion „Die Ilias. Jetzt erzähle ich“ überreicht. In der Inszenierung Englerts ergreifen die Frauen das Wort und rücken die schon im antiken Epos zum Schweigen gebrachte weibliche Perspektive von Kalliope und Kassandra, Hekabe und Helena ins Zentrum.
„In der Odyssee verbietet der Sohn Telemachos seiner Mutter Penelope den Mund“, so Ina Hartwig, „dass Barbara Englert in der Bearbeitung und Inszenierung des wohl früheren Epos, der Ilias, den Frauen eine Stimme verleiht, ist deshalb nicht einfach nur neu. Sie zeigt damit gleichzeitig auf, wie Erzählen funktioniert und welche Mythen uns prägen. Das ist wichtig, um zu verstehen, woher wir kommen und noch wichtiger, um gerüstet zu sein, um überhaupt das Werkzeug zu haben, die Konstruktion von Geschichten und Identitäten zu hinterfragen, zu prüfen und zu beurteilen.“
Karfunkel-Preis
Der Kinder- und Jugendtheaterpreis der Stadt Frankfurt wird seit 2010 verliehen und soll der Anerkennung und Würdigung qualitätsvoller Kinder- und Jugendtheaterarbeit dienen, die Preisträgerinnen und Preisträger bekannter machen sowie das Genre an sich stärken. Ausgezeichnet wird jeweils eine bestimmte Inszenierung in ihrer Gesamtheit. Der nach dem feuerroten Edelstein benannte Karfunkel-Preis wird, wie auch der Sonderpreis, parallel zum Internationalen Theaterfestival Starke Stücke verliehen. Das Festival findet in diesem Jahr vom 20. Februar bis zum 3. März in Frankfurt und dem gesamten Rhein-Main-Gebiet statt.
Preisverleihung
Der Karfunkel-Preis wird am Dienstag, den 24. Februar 2026 um 18 Uhr im Kaisersaal des Römers verliehen.
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