05.06.2025 - Historisches Museum und Stadtbücherei Frankfurt erhalten Zuschlag bei bundesweitem Förderprogramm „Übermorgen“


Die Kulturdezernentin
Dr. Ina Hartwig

Die Bildungsdezernentin
Sylvia Weber

Die Sozialdezernentin
Elke Voitl


PRESSEINFORMATION
05.06.2025

Historisches Museum und Stadtbücherei Frankfurt erhalten Zuschlag bei bundesweitem Förderprogramm „Übermorgen“

Museen, Büchereien und andere Kultureinrichtungen zu öffnen, sie zugänglich zu machen für Menschen, die bisher keine oder kaum Berührungspunkte mit ihnen hatten, sie für die Zukunft gut aufzustellen und Nutzungskonzepte zu reformieren. All das ist das Ziel des Förderprogramms „Übermorgen – Neue Modelle für Kulturinstitutionen“ der Kulturstiftung des Bundes. Insgesamt 280 Einrichtungen bundesweit hatten sich beworben, 50 davon wurden ausgewählt. Zwei Einrichtungen aus Frankfurt sind dabei: Das Historische Museum und die Stadtbücherei Frankfurt werden jeweils mit rund 50.000 Euro unterstützt, um bis Ende 2026 Ideen für zukunftsfähige Kulturarbeit zu entwickeln.

„Commoning the Museum. Stadtmuseen für eine sozial gerechte Gesellschaft“
Das Historische Museum Frankfurt hat sich gemeinsam mit dem Stadtmuseum Dresden beworben und kooperiert außerdem mit den Dezernaten und Ämtern für Soziales und Gesundheit der beiden Städte. Unter dem Titel: „Commoning the Museum. Stadtmuseen für eine sozial gerechte Gesellschaft“ sollen so Ideen entwickelt werden, wie ein Museum ein Ort für alle werden und die auf Gemeinwohl ausgerichtete Gesellschaft stärken kann.

Frankfurts Dezernentin für Kultur und Wissenschaft sieht großes Potential in dieser Idee: „Dieser Ansatz ist sehr überzeugend, zumal wir in einer Zeit leben, in der unsere demokratischen Werte und unsere pluralistische Gesellschaft allzu oft leichtfertig in Frage gestellt werden. Wir brauchen deshalb neue, kreative Ansätze, um genau das zu schaffen: Menschen, die bisher keinen Zugang zu Kunst und Kultur haben und sich vielleicht sogar davon ausgeschlossen fühlen, wieder mitzunehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Genau darauf ist das gemeinsame Konzept der beiden Museen in Frankfurt und Dresden angelegt. Ich freue mich deshalb sehr, dass sie jetzt die Förderung der Kulturstiftung des Bundes erhalten haben und mit der Kreativarbeit beginnen können.“

Herausforderungen: Mit der AfD umgehen und Menschen jenseits des bürgerlichen Kulturpublikums erreichen
Das Stadtmuseum Dresden steht vor der Herausforderung, mit dem als „sicher rechtsextrem“ eingestuften Landesverband der AfD umzugehen, der in Dresden eine große oppositionelle und gesellschaftliche Macht besitzt. Das erfordert ein sensibles und strategisches Vorgehen, um weiterhin demokratische Werte und Vielfalt zu fördern, aber auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich zurzeit von den „Etablierten“ nicht vertreten fühlen. Das Historische Museum Frankfurt muss Wege finden, um noch stärker als bisher auch Menschen außerhalb des bürgerlichen Kulturpublikums anzusprechen.
„Wir möchten auch für jene Menschen ein relevanter Ort werden, die aufgrund niedriger Löhne, Bildungsungerechtigkeit, hoher Mieten und konsumorientierter Innenstädte an die städtischen und sozialen Ränder gedrängt werden. Wir fragen uns, wie Museen zur Bekämpfung sozialer Ungerechtigkeit beitragen können und sind dafür bereit, auch ungewöhnliche Wege zu gehen“, sagt Doreen Mölders, Direktorin des Historischen Museums Frankfurt.

Jugend- und Sozialämter als kompetente Wissensträger und Ansprechpartner
Die jeweiligen Jugend- und Sozialämter der beiden Städte sind dabei kompetenter Wissensträger und Ansprechpartner, auch, um herauszufinden, wo aktuell die größten gesellschaftlichen Herausforderungen liegen. Sei es in Bezug auf die Kinder- Jugend- und Familienhilfe, Drogenprävention, das Älterwerden oder die Armutsbekämpfung.
„Wir haben in Frankfurt einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik angestoßen: Es geht nicht mehr nur darum, Menschen mit geringem Einkommen finanziell zu unterstützen. Es geht um echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Denn nur so kann der Zusammenhalt einer Stadtgesellschaft auch übermorgen noch funktionieren“, sagt Sozialdezernentin Elke Voitl.

Um wirklich neue, tragfähige und innovative Ansätze für die Zukunft der Museen zu entwickeln, soll es im ersten Schritt Workshops geben, in denen alle Projektbeteiligten, aber auch die Bürgerinnen und Bürger von Frankfurt und Dresden, eigene, kreative Ideen einbringen und Konzepte mitentwickeln können.

Stadtbücherei Frankfurt wird für Projekt zur Rolle der Stadtteilbibliotheken gefördert
Auch die Stadtbücherei Frankfurt kann sich im Rahmen des Programms „Übermorgen“ als eine von insgesamt sieben öffentlichen Bibliotheken bundesweit über eine Förderung freuen. In ihrem Projektantrag „Treffpunkt Zukunft – die Rolle von Stadtteilbibliotheken in einer sich wandelnden Stadt“ nimmt sie die zukünftige Entwicklung ihrer dezentralen Struktur in den Fokus.

Die 16 Bibliotheken in den einzelnen Stadtteilen definieren sich als offene Orte. Sie stehen für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, für digitale und kulturelle Teilhabe sowie für Informationsfreiheit. Sie sind Plätze der Begegnung und des Diskurses. Gerade auch in Stadtteilen ohne ausgeprägte kulturelle Infrastruktur sind die Räume der Stadtbücherei ein starker Anker für das Zusammenleben. Gleichzeitig sind die Frankfurter Stadtteile strukturell unterschiedlich stark. Und die Stadt Frankfurt am Main wächst - in den vergangenen 14 Jahren allein um 18 Prozent. Ganze Stadtquartiere sind neu entstanden bzw. werden neu geplant. Dieser Entwicklung müssen sich auch die Stadtteilbibliotheken stellen, ausdifferenzierte Angebote für ihre Quartiere etablieren und neue Aufgaben übernehmen. Gleichzeitig sollen sie aber auch dem Markenkern der Stadtbücherei verpflichtet bleiben.

In diesem Spannungsfeld müssen sie sich gemeinsam neu ausrichten. Synergien sollen genutzt, das Verbindende und das Individuelle neu definiert werden. Bildungsdezernentin Sylvia Weber unterstützt die Stadtbücherei in diesem Prozess und erklärt: „Damit die Stadtbücherei auch in einer wachsenden Stadt wirken kann, muss sie sich den Themen der Zukunft öffnen und das Zusammenspiel ihrer Bibliotheken überdenken. Ich freue mich sehr, dass wir in dieser Orientierungsphase jetzt von der Kulturstiftung des Bundes gefördert werden.“

Das Zukunftsprogramm „Übermorgen“ fördert auch die Vernetzung untereinander
Die geförderten Einrichtungen aus Frankfurt erhalten neben der finanziellen Unterstützung auch die Möglichkeit, sich mit anderen Kulturinstitutionen, Expertinnen und Experten auszutauschen, Inspirationsreisen in andere europäische Städte zu unternehmen, um so neue Impulse zu erhalten und wirklich auch den Mut für echte Veränderung zu finden.

Weitere Informationen zu dem Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes finden Sie unter: www.uebermorgen-programm.de
 

Dezernat Kultur und Wissenschaft
Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit
Hanna Immich
Hausanschrift: Brückenstraße 3-7, 60594 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 212 49232; +49 171 1769719
E-Mail: hanna.immich@stadt-frankfurt.de