Frankfurter Bürger-Universität

 

Vortragsreihe der Bürger-Universität der Goethe-Universität

Seit 2008 besteht die Frankfurter Bürger-Universität, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allgemeinverständlich über aktuelle Forschungen berichten. Mit diesen vielfältigen Vorlesungsreihen besinnt sich die Goethe-Universität, die seit 2008 erneut die Rechtsform der Stiftung angenommen hat, ihrer bürgerlichen Tradition. 1914 entstand die Universität als Bürgerstiftung von überwiegend jüdischen Bürgern für Bürger. Mit der Wahl verschiedener Veranstaltungsorte auch außerhalb der Universität und der Vielfalt des Themenangebots sind die einzelnen öffentlichen Vorlesungsreihen, was sie sein wollen: im wörtlichen Sinne eine Bürger-Universität.

Das Programm zum Download finden Sie auch auf der Webseite der Bürger-Universität.
 

 

Demokratie weiter denken
Im Jahr der Europawahl, in dem sich auch der Fall der Mauer zum 30. Mal jährt, analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die als krisenhaft geltende Gegenwart der Demokratie und ihre Zukunftspotenziale. Ein besonderer Blick gilt der deutschen Wiedervereinigung, ihren Erfolgen, aber auch ihren uneingelösten Versprechen. Sozioökonomische Defizite und ein Gefühl des Abgehängtseins gibt es freilich auch im Westen der Republik. Hier wie dort versprechen Populisten einfache Lösungen und geben vor, im Namen des Volkes zu sprechen. Doch wer oder was ist dieses Volk? Wie könnte es, auch angesichts seiner zunehmend pluralen und multiethnischen Struktur, angemessen repräsentiert werden? Und welche sozialen und kulturellen Gräben gilt es dabei zu überwinden? Drei Jahrzehnte nach dem Fall der trennenden Grenze stellen sich Fragen nach Einheit, Partizipation und Zusammenhalt in besonderer Weise. Die Bürgeruniversität geht ihnen an drei Abenden unter verschiedenen Schwerpunktsetzungen nach.
 

28/10/2019 - 19.30 Uhr
Ungleiches Deutschland - Gesellschaftlicher und geographischer Zusammenhalt in der Demokratie

„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“, sagte Willy Brandt, und Helmut Kohl prophezeite „blühende Landschaften“. Drei Jahrzehnte später ist von Ungleichheit und gar Abstieg die Rede. Die Kluft zwischen West und Ost beginnt bei den Einkommen. Bemerkenswert ist auch das Ungleichgewicht bei den Führungskräften: Die weitaus meisten Chefs im Osten stammen aus dem Westen; von den Leitern der ostdeutschen Unis wurde einer Erhebung zufolge, die Anfang des Jahres erschienen ist, überhaupt niemand in der DDR geboren. Trotz prosperierender Regionen wie Leipzig oder Jena fühlen sich viele Ostdeutsche abgehängt und in ihrer Lebensleistung nicht gewürdigt. Doch scheint es nicht nur einen „Graben“ zwischen den Himmelsrichtungen zu geben. Jüngste Studien weisen darauf hin, dass es auch auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik große Strukturprobleme gibt, beispielsweise im Ruhrgebiet. Was bedeutet das für einen gesamtdeutschen gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Begrüßung: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Politikwissenschaftlerin, Goethe-Universität/Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung)
Podiumsgäste: Prof. Dr. Birgitta Wolff (Präsidentin der Goethe-Universität), Prof. Dr. Matthias Middell (Kulturhistoriker, Universität Leipzig), Prof. Dr. Nicola Fuchs-Schündeln (Wirtschaftswissenschaftlerin, Goethe-Universität), Prof. Dr. Uwe Cantner (Vorsitz der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung, Universität Jena)

Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard (Fernsehmoderator und Autor)

Ort: Campus Westend, Casino-Gebäude, Raum 1.811
 

11/11/2019 - 19.30 Uhr
Neue alte Paulskirche – Demokratische Debatten in der Stadt

Sie gilt als „Wiege der Demokratie“: In der Frankfurter Paulskirche verabschiedete die Nationalversammlung im Jahr 1849 die erste demokratische Verfassung Deutschlands. Und auch in jüngerer Zeit ist ihr Name mit Aufklärung und Emanzipation verbunden. Hier werden der Theodor W. Adorno-Preis und der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Beide Würdigungen erhielt der als „Philosoph der Bundesrepublik“ bezeichnete Jürgen Habermas, der noch im Sommer aus Anlass seines 90. Geburtstags einen fulminanten Vortrag an der Goethe-Universität hielt und in dessen Werk der öffentliche Gebrauch der Vernunft eine zentrale Rolle spielt. In Frankfurt gibt es Pläne, die Paulskirche zu einem öffentlichen Ort der Debatten über unser demokratisches Miteinander zu machen. Der partizipative Dialog zur Zukunft der Paulskirche als Demokratiezentrum hat vor kurzem begonnen – und bereits prominente Befürworter, unter ihnen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Begrüßung: Oberbürgermeister Peter Feldmann (Stadt Frankfurt)
Impuls: Prof. Dr. Rainer Forst (Politischer Philosoph, Goethe-Universität)
Podiumsgäste: Oberbürgermeister Peter Feldmann (Stadt Frankfurt), Dipl.-Ing. Peter Cachola Schmal (Direktor, Deutsches Architektur-museum), Prof. Dr. Brigitte Geißel (Politikwissenschaftlerin, Goethe-Universität), Prof. Dr. Carsten Ruhl (Kunsthistoriker, Goethe-Universität)

Moderation: Rebecca C. Schmidt (Geschäftsführerin „Normative Orders“)

Ort: Deutsches Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
 

10/02/2020 - 19.30 Uhr
Making Crises Visible – Krise der Demokratie

Die Demokratie befindet sich in einem sich immer wandelnden Transformationsprozess und in vielen Teilen der Welt in der Krise. Dass die Krise aber auch immer als Chance begriffen und überwunden werden kann, zeigt das interdisziplinäre Ausstellungsprojekt „Making Crises Visible“ – unter der Schirmherrschaft der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn. Es beschäftigt sich mit vielfältigen und von Menschen gemachten Krisen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst. Die Präsentation ist aus der Kooperation zwischen dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, der Goethe-Universität und dem Senckenberg Naturmuseum entstanden und hat sich zur Aufgabe gemacht, neue Wege des Wissenstransfers zu erproben. In der künstlerischen Visualisierung der Krise ist diese nicht nur ausweglos dargestellt, sondern es wird vor allem deren aktivierende Kraft beleuchtet. Durch neue und andersartige Zugangsweisen zur Krise kann der Dialog in der Gesellschaft angeregt werden und bringt kreatives Potenzial hervor, das als Ausgangspunkt für eine Neuorientierung dient.

Begrüßung: Prof. Dr. Andreas Mulch (Direktor, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt)
Impuls: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Politikwissenschaftlerin, Goethe-Universität/ Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung)
Input: Prof. Klaus Hesse (Professor für Gestaltung, Hochschule für Gestaltung Offenbach)
Podiumsgäste: Dr. Stefan Kroll (Politikwissenschaftler, Leibniz-Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“), Prof. Dr. Rainer Forst (Politischer Philosoph, Goethe-Universität), Prof. Dr. Verena Kuni (Professorin für Visuelle Kultur, Goethe-Universität), Prof. Dr. Andreas Mulch (Direktor, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt)

Moderation: Susanne Boetsch (Verwaltungsleiterin, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung)

Ort: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Arthur-von-Weinberg-Haus, Hörsaal

Vor der Veranstaltung wird um 18.30 Uhr eine Preview der Ausstellung angeboten. Anmeldung zur Preview unter veranstaltungen@unifrankfurt.de.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.makingcrisesvisible.com

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