Deutsches Filminstitut - DIF

 

1949 gegründet ist das Deutsche Filminstitut - DIF e.V. das älteste filmwissenschaftliche Institut der Bundesrepublik. Gemeinsam mit dem Bundesarchiv/Filmarchiv und der Stiftung Deutsche Kinemathek, beide in Berlin, erfüllt das in Frankfurt und Wiesbaden beheimatete Filminstitut die Aufgaben einer zentralen deutschen Kinemathek. Es besitzt umfangreiche Sammlungen von Filmen, Plakaten oder Fotos sowie eine einzigartige Sammlung von Textdokumenten. Film- und kinospezifische Materialien zu bewahren, auszuwerten und der Öffentlichkeit in Form von Symposien, Ausstellungen, Publikationen und insbesondere Filmreihen zugänglich zu machen, gehört traditionell zu den zentralen Aufgaben des Instituts. Neben der Archivierung leitet das Filminstitut verschiedene Online-Projekte, beteiligt sich an internationalen filmkulturellen Initiativen und organisiert diverse Filmfestivals.

Seit 2006 ist das Deutsche Filmmuseum Teil des Deutschen Filminstituts, wodurch die Sammlungsbestände erheblich erweitert wurden. Zwar bleibt das Deutsche Filmmuseum weiterhin als Marke für den Kino- und Ausstellungsbetrieb erhalten, doch die bis dahin getrennt geführten Archive wurden unter dem Dach des Instituts zusammengeführt. Der Hauptsitz des Instituts sowie das Deutsche Filmmuseum befinden sich am Schaumainkai 41 als Teil des Museumsufers in einer 2009 von der Stadt Frankfurt in Erbpacht dem Institut übertragenen Villa. Im August 2011 endete für das Haus eine knapp zwei Jahre dauernde Schließung, in denen die historische Fassade der Villa und deren Innenausbau komplett erneuert, die Ausstellungsflächen vergrößert und das Kino neu gestaltet wurden.

In Frankfurt und Wiesbaden zu Hause

Ein wesentlicher Teil der Bestände lagert in Frankfurt-Rödelheim, wo seit Anfang 2007 ein Archiv- und Besucherzentrum das Plakatarchiv, das Musikarchiv und das Drehbucharchiv vereint. Zudem finden sich dort die Sammlungen und Nachlässe deutscher Filmschaffender wie Volker Schlöndorff, Curd Jürgens, Maria Schell, Luggi Waldleitner oder Artur Brauner und Produktionsfirmen wie der X Filme Creative Pool. Weitere Abteilungen des Filminstituts finden sich in der hessischen Landeshauptstadt: Film-, Geräte- und Bildarchiv sind in Wiesbaden-Biebrich untergebracht; das „Digitale Department“, zu deren letzten Tätigkeiten die Restaurierung von „Die Hochbahnkatastrophe“ (D 1921) zählt, ist im Deutschen Filmhaus ansässig.

Sammeln, konservieren und restaurieren

Das Bildarchiv verfügt in seiner Sammlung über etwa 2,3 Millionen Fotos und Dias zu nationalen und internationalen Filmproduktionen und ist damit eine der größten deutschen Quellen für Bildmaterial zum Thema Film. Enge Kontakte zu Verleihern und Verlagen sorgen für die ständige Erweiterung der Bestände. Neueste deutsche und ausländische Produktionen werden häufig bereits vor ihrem Kinostart in die Sammlungen aufgenommen – seit dem Jahr 2000 überwiegend in digitaler Form. Sammlungsschwerpunkte sind Fotos zu Filmen aus der NS-Zeit, zu den in Deutschland gezeigten US-Filmen nach 1945 und Original-Aushangfotos deutscher Stummfilme. Die umfangreiche Portrait- und Starpostkartensammlung geht bis in die 1910er Jahre zurück und enthält eine Vielzahl von Stücken, die mit Widmungen und Autogrammen versehen sind. Abbildungen von Dreharbeiten, Filmtechnik, Ateliers, Kostümen, Kinos oder Kinowerbung enthalten die kleinen Spezialsammlungen.

Das Filmarchiv verfügt über rund 20.000 Filmkopien, darunter Spiel- und Dokumentarfilme, sowie Kurz- und Werbefilme. Der Bestand umfasst Positiv- wie Negativmaterial, das in gekühlten und klimatisierten Lagern nach konservatorischen Standards untergebracht ist. Den Sammlungsschwerpunkt bildet der deutsche Film, insbesondere der Stummfilm. Außerdem restauriert das Filminstitut Produktionen, um sie dem Publikum in neuer Qualität verfügbar zu machen. Der für den nicht-kommerziellen Bereich zuständige Filmverleih bedient Spielstätten, Festivals und Bildungseinrichtungen mit deutschen Filmklassikern der Jahre vor 1945 sowie dem deutschen, französischen und italienischen Arthouse-Film von den 70er Jahren bis heute – oftmals in der Original-, der deutschen oder einer untertitelten Fassung.

Das Gerätearchiv verwahrt ausgewählte Objekte aller technischen Bereiche, die für die Herstellung und Vorführung eines Films von Bedeutung sind oder waren und zeigt deren historische Entwicklung. Ein Schwerpunkt der Sammlung ist der Vorgeschichte des Films gewidmet, bewahrt werden seltene Laterna magicae, Mutoskope oder Zoetrope. Das Gerätearchiv kann nach Terminvereinbarung besichtigt werden.

Das Musikarchiv umfasst Sammlungen von Tonträgern, Schriftgut, Abspielgeräten und Instrumenten. Im Bereich der Tonträger finden sich neben Einzelstücken auch vollständige Sammlungen.

Die Bestände des Plakatarchivs umfassen rund 40.000 Plakate zu ungefähr 18.000 Filmen. Die Sammlung besteht aus Filmplakaten der Stumm- und frühen Tonfilmzeit bis hin zu aktuellsten Produktionen. Originale werden nicht nur archiviert, sondern auf Anfrage auch für wissenschaftliche Zwecke, Publikationen oder Ausstellungen entliehen oder – auch für private Nutzer – reproduziert.

Das Textarchiv verfügt über die größten Bestände Europas und umfasst neben der Dokumentationsabteilung und der Zeitschriftensammlung auch vielfältige weitere Materialsammlungen. Die Bibliothek enthält rund 80.000 Publikationen zu Geschichte und Theorie des Films. Die öffentlich zugänglichen Bestände der Bibliothek, die 2009 zusammen mit dem Textarchiv vom Museumsufer in die Deutsche Nationalbibliothek umzog, sind auch online recherchierbar.

Internetprojekte

Seit 2005 bietet das DIF ein umfangreiches Online-Portal zum deutschen Film: www.filmportal.de ist die führende Plattform für umfassende, geprüfte und zuverlässige Informationen zu allen deutschen Kinofilmen – von den Anfängen bis heute. Neben filmographischen Daten zu allen jemals in Deutschland hergestellten Spiel- und (langen) Dokumentarfilmen findet man auf filmportal.de auch Inhaltsangaben, Biografien, Fotos, Plakate und Werbematerialien, Kritiken und Artikel, Statistiken, Preise sowie den Nachweis über Kaufmöglichkeiten (Video, DVD, Buch, etc.).

In Zusammenarbeit mit anderen europäischen Filmarchiven und Kinematheken entstand das Online-Portal www.europeanfilmgateway.eu, das seit Juli 2011 kostenlosen und einfachen Zugriff auf hunderttausende filmhistorische Dokumente bietet, die in 16 europäischen Filmarchiven und Kinematheken verwahrt werden. Das gemeinsame virtuelle Archiv für Filme und filmbezogene Materialien in Europa enthält Stand- und Setfotos, Filmplakate, Produktionsunterlagen, Kostümentwürfe, Programmhefte, Zeitschriften, Zensurkarten, seltene Spiel- und Dokumentarfilme, Wochenschauen und weiteres Material aus 15 unterschiedlichen Ländern.

Bereits seit 2007 macht die Internetplattform filmarchives online – entstanden unter der Leitung des Filminstituts – Katalogdaten zu ausgewählten Beständen europäischer Archive einsehbar. Im Rahmen von CEN – European Committee for Standardization war das Institut maßgeblich an der Erarbeitung notwendiger internationaler Standards für den Austausch und die einheitliche Repräsentation von kinematographischen Metadaten beteiligt.

Fokus Filmvermittlung

Neben renommierten Onlineprojekten und umfangreichen Archivierungsleistungen macht sich das Deutsche Filminstitut im Bereich der Vermittlung von Filmkultur und Medienkompetenz verdient. Neben regulären Kinderkino-Vorführungen organisiert es diverse Schulfilmfestivals (Cinéfête, Britfilms - british schools film festival, Ven y mira – spanisches Schulfilmfestival). Die SchulKinoWochen Hessen vermitteln zwischen Schulen und Kinobetreibern und machen jedes Jahr im März das Kino zum Klassenzimmer. Die Museumspädagogik des Filminstituts bietet praktische filmpädagogische Angebote und organisiert Kindergeburtstage auf Anfrage. Beim filmpädagogischen Modellprojekt Jugend-Film-Jury werden SchülerInnen an bedeutsame aktuelle und ältere Filme herangeführt. Die Schule des Sehens spricht mit filmanalytischen Blockseminaren im Kino ebenfalls Schülergruppen an.

Traditionsreiche Filmfestivals aus eigenem Haus

Das Internationale Kinderfilmfestival LUCAS holt jedes Jahr im Herbst aktuelles Kinderkino aus aller Welt in die Mainmetropole. Jährlich im April bietet das vom Filminstitut organisierte Festival goEast dem mittel- und osteuropäischen Film in Wiesbaden und Frankfurt ein Forum.

Zurück  |  Drucken  |  Versenden  Soziale Netzwerke            
Deutsches Filmmuseum / Deutsches Filminstitut - DIF e.V.
Schaumainkai (Museumsufer) 41
D 60596 Frankfurt am Main
Telefon +49 (0) 69 961220220
Fax +49 (0) 69 961220999