Der Arabische Frühling und die revolutionären Bewegungen in Nordafrika sind Themenschwerpunkt des Africa Alive-Festivals, das vom 1. bis 8. Februar zum 18. Mal im Kino des Deutschen Filmmuseums und im Filmforum Höchst stattfindet.
Im Dezember 2010 begann sich die Zivilgesellschaft in der nordafrikanischen und arabischen Welt zu erheben. Zunächst rebellierten die Menschen in Tunesien gegen das herrschende Regime, dann begannen Unruhen in Algerien, und am 25. Januar 2011 kam es schließlich in Ägypten zu Aufständen, die zur Revolution führen sollten. Die Welle des Protestes erreichte schließlich Marokko und den Jemen, bis sich im Februar auch in Libyen das Volk erhob. Seitdem blickt die Welt gebannt nach Nordafrika.
Selbst ein Jahr später hat sich die Situation nicht beruhigt und die autoritären Strukturen sind nicht überwunden. Neben Analysen, Reportagen und Prognosen haben auch die nordafrikanischen Filmemacher/innen die gesellschaftlichen Zustände in ihren Ländern reflektiert. Die Dreharbeiten zu den Filmen MAMNOU (ET/ES 2011) von Amal Ramsis und LAICITÉ INCH’ALLAH (TN/FR 2011) von Nadia El Fani begannen schon vor den Aufständen. Die Regisseurinnen wurden gewissermaßen von ihnen überrascht: Sehr präzise filmten sie die Missstände im eigenen Land und zeigen, wie es zu den Unruhen kam. Beide Regisseurinnen sind dort heute noch der repressiven Kritik ausgesetzt und haben Probleme, ihre Filme offiziell vorzuführen.
„Filme als Seismographen der Revolte“ heißt der Vortrag, den Irit Neidhardt am Sonntag, 5. Februar (16.30 Uhr), im Deutschen Filmmuseum hält. Darin untersucht sie, wie sich die politischen Veränderungen in den Jahren vor der Revolution in der Filmproduktion spiegelten, und wie die unabhängigen Produktionen auf den Wandel in der Gesellschaft reagiert haben.
Der Themenschwerpunkt Nordafrika mit Filmen aus Ägypten und Tunesien wird durch ein Algerien-Special ergänzt. Das Land feiert im Juni 50 Jahre Unabhängigkeit. Neben der Filmreihe wird zu diesem Thema außerdem am 2. Februar 2012 in der Universität Frankfurt eine Veranstaltung mit dem Titel HISTOIRE(S) NOIE – ERTRÄNKTE GESCHICHTE(N) mit Gästen und dem Autoren des Buchs »La bataille de Paris – 17. Octobre 1961« Jean-Luc Einaudi (angefragt), stattfinden.
Natürlich zeigt Africa Alive wieder die neuen afrikanischen Produktionen, die 2011 auf dem panafrikanischen Festival FESPACO in Burkina Faso vorgestellt wurden. Neben den nordafrikanischen Filmen PÉGASE (MA 2009), VOYAGE À ALGER (DZ 2009) präsentieren die Veranstalter LE POIDS DU SERMENT (BF 2011) und NOTRE ÉTRANGÈRE (BF/FR 2009) aus Burkina Faso und LE MEC IDÉAL (CI 2010) von der Elfenbeinküste.
Neben den Regisseuren Kollo Daniel Sanou (LE POIDS DU SERMENT) und Nadja Wegfahrt (ALGÉRIE MON AMOUR) ist auch die Schauspielerin Dorylia Meredith Calmel (NOTRE ÉTRANGÈRE) persönlich in Frankfurt.
Über das Festival
Das 1994 gegründete Kulturfestival Africa Alive zeigt regelmäßig sein Filmprogramm im Deutschen Filmmuseum und im Filmforum Höchst. Während der Renovierungsphase des Museums (2009 bis 2011) gastierte das Festival übergangsweise im Mal Seh’n Kino. 2011 fand aus planungstechnischen Gründen kein Festival statt.
Seit jeher präsentiert Africa Alice die Highlights aus dem Programm des FESPACO Festivals aus Ouagadougou (Burkina Faso). Aus jeweils aktuellem Anlass setzen die Organisatoren in jeder Ausgabe Länder- oder Themenschwerpunkte. Dabei kommt der gesamte Kontinent zu Wort.
Neben der Gelegenheit, Werke der afrikanischen Filmgeschichte und neueste Produktionen zu sehen bietet die internationale Atmosphäre von Africa Alive spannende Diskussionen und Lesungen, des Öfteren auch Ausstellungen und Konzerte.
Die Veranstalter wollen mit ihrem Engagement den lebendigen Dialog zwischen den Kulturen fördern und somit zum Abbau von Vorurteilen beitragen. Zentrales Anliegen ist es, Afrikanerinnen und Afrikaner selbst(bewusst) zu Wort kommen zu lassen und ein lebendiges Bild von diesem Kontinent zu vermitteln. Das Festival leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration im multikulturellen Rhein-Main-Gebiet.
Die Unesco erklärte Africa Alive 1996 zum Projekt der Weltdekade für kulturelle Entwicklung. 2001 wurde das Festival offizieller deutscher Beitrag zum UN-Jahr „Dialog zwischen den Kulturen". 2002 und 2003 stand es unter der Schirmherrschaft der deutschen Sektion der Unesco. Seit 2003 ist Africa Alive Mitglied im Verbund hessischer Filmfestivals.
Geplant und durchgeführt wird das Festival vom Africa Alive-Team, einer Kooperation von afrikanischen Vereinen, Frankfurter Kultureinrichtungen und engagierten Einzelpersonen. Das Filmprogramm wird gefördert durch die Hessische Filmförderung.